Grundlagen der Orthopädie
06. Februar 2012
Prothesen

"Jede auch noch so geringfügige Amputation an einer Extremität bedeutet für den Patienten den irreversiblen Verlust eines differenzierten Körperteils und damit auch einen Verlust seiner körperlichen Integrität. Entgegen weit verbreiteter Ansicht wird auch die raffinierteste Technik niemals in der Lage sein, diesen Verlust auch nur einigermaßen vollkommen durch eine Prothese zu ersetzen."
(aus: Amputation und Prothesenversorgung der unteren Extremität, von R.Baumgartner und P.Botta)


Das Zitat aus dem 1995 erschienen Buch von René Baumgartner und Pierre Botta ist nach wie vor stimmig. Auch heute sind wir (noch) nicht in der Lage Prothesen so zu konstruieren, die sie auch nur annähernd die Funktion eines amputierten Körperteils übernehmen können. Trotzdem hat sich in Bezug auf die Paßteile von Prothesen, sowie in der Schafttechnik, also der Verbindung der Prothese mit dem Stumpf des Betroffenen, in den vergangenen elf Jahren einiges getan. Wir möchten Ihnen diese neuen speziellen Techniken, die wir in unserer Firma anwenden nahebringen. Vorher möchten wir allerdings die allgemeine Technik im Bereich der Prothesenversorgungen der unteren Extremität, zum besseren Verständnis zusammenfassen.


Man unterscheidet folgende Beinprothesenarten:


1) Vorfußprothesen

Betroffene die im Bereich des Vorfußes amputiert wurden, werden meist mit einer sogen. Vorfußprothese versorgt.

Jede Prothese für den Fußstumpf bildet mit dem Schuhwerk eine funktionelle Einheit. Eine Fußprothese muß deshalb nicht nur dem Stumpf, sondern auch dem Schuh angepaßt werden. Bei langen Stümpfen, besteht sogar die Möglichkeit allein mit passendem Schuhwerk auszukommen und auf eine prothetische Versorgung gänzlich zu verzichten.


2) Unterschenkelprothesen

Nach Amputationen im Unterschenkel, versorgt man die betroffenen Patienten meistens mit einer sogen. Unterschenkelprothese. Es gibt unterschiedliche Arten von Unterschenkelprothesen. Die gebräuchlichste ist die sogen. Kurzprothese, in Verbindung mit einem Haftschaftsystem. Hierbei schlüpft der Betroffene in einen sogen. Liner, mit dem zusammen er wiederum in einen Prothesenschaft aus festerem Material steigt. Am Ende des Liners befindet sich ein Arretierungsstift, der in einen Verriegelungsmechanismus am Schaftboden faßt und so die Prothese am Stumpf des Patienten hält.


3) Knie - Exartikulationsprothesen

Eine Knie - Exartikulation ist keine Amputation im eigentlichen Sinne, da hierbei kein Knochen durchtrennt wird. Unter und Oberschenkel werden im Knie voneinander getrennt. Der daraus resultierende Stumpf ist sehr belastungsfähig und damit prothetisch meist gut zu versorgen.

Knie Ex-Artikulationsprothesen ähneln Oberschenkelprothesen, jedoch ist es hier nicht notwendig, Teile des Beckens (genauer den Sitzbeinknochen) mit zum Tragen einzubeziehen. Knie- Ex Prothesen nutzen die Stumpfendbelastbarkeit des Patienten, sowie die große, tragende Oberfläche des Stumpfes. Die optische "Ungleichheit" der Oberschenkel im Sitzen wird von den meisten Patienten aufgrund der Funktionsvorteile toleriert.


4) Oberschenkelprothesen

Die prothetische Versorgung nach einer Amputation im Oberschenkel gilt immer noch als die Königsdisziplin in der Beinprothetik. Anders als bei den anderen geschilderten Versorgungen, muß hier sehr viel sorgfältiger gefertigt werden, um die arterielle Versorgung des Beinstumpfes nicht einzuschränken, auch ist eine prothetische Versorgung des Oberschenkels alleine schon deshalb schwieriger, weil die Schaftränder sehr weit nach oben, in den Intimbereich des Patienten gehen.


5) Hüft - Exartikulationsprothesen

Ähnlich wie bei der Knie - Ex Artikulation, handelt es sich bei der Hüft - Ex Artikulation ebenfalls nicht um eine Amputation im eigentlichen Sinn. Bei dieser Operation wird der Hüftkopf aus der Hüftpfanne gelöst, wobei wieder kein Knochen durchtrennt wird.

Die Beinprothese muß in der Versorgung dann mit einem Beckenkorb gearbeitet werden, an den die Paßteile befestigt werden. Auch wenn es diese Versorgungsart meist nicht vermuten läßt, so ist sie relativ gut durchzuführen und erreicht einen guten Funktionsvorteil, bei maximaler Belastbarkeit des operierten Bereiches.


6) Ortho - Prothesen

Angeborene Fehlbildungen an Unter- und Oberschenkel sind nach den gleichen Grundsätzen orthopädietechnisch zu versorgen, wie Amputationen. Hierbei geht es vorrangig darum, eine vorhandene Fehlbildung an den Extremitäten, funktionell und auch kosmetisch besser an die Norm anzugleichen. Diese Verbindung von prothetischer und orthetischer Versorgung stellt den Techniker oftmals vor erhebliche Schwierigkeiten.


Prothetische Versorgungen im allgemeinen:

Wie anfangs bereits erwähnt, ist jede noch so ausgefeilte Prothese im Vergleich zu einem verlorenen Arm oder Bein fehlerhaft. Oftmals sind es auch nur einige Zentimeter Stumpflänge, die eine gute prothetische Versorgung von einer schlechten unterscheiden - Ist doch die Stumpflänge von entscheidender Wichtigkeit! Auch sollte ein Stumpf möglichst endbelastbar sein. Narben im Bereich des Schaftes können eine Versorgung ebenfalls erschweren. Einer der wichtigsten Punkte ist jedoch die Volumensstabilität des Stumpfes!

Überhaupt ist die Stumpfbettung das ein und alles einer Prothesenversorgung. Die modernsten Paßteile nutzen nichts, wenn die Adaption von Stumpf und Schaft nicht gelingt. Harmony - Schaftsystem

Konstruktionen aus allen gängigen Materialien (High-Tech bis Holz-Leder), unter Verwendung der modernsten Paßteile, (z.B. C-Leg, Endolite, TEH-LIN, Silikonhaftschaft-Systeme etc...).

Beispiel für eine Unter-Schenkel Kurzprothese mit Endolite/Flex-Foot Paßteilen:



Alle Schaftformen (egal ob quer oder längs-oval (CAT-CAM), - auch in Holz), Herstellung mittels modernster Techniken, (CAD/CAM im eigenen Haus), 100 % Übertragung alter Schaftformen auf neue Schäfte möglich durch eigene Holz-Kopier-Fräse. Patienten, die Ihre über Jahrzehnte bewährte Schaftform haben, können diese auch bei der Neuanfertigung einer neuen Prothese übernehmen, in verschiedenen Farben und Motiven lieferbar.
Betreuung der Prothesenträger im häuslichen Umfeld.Geh/-Stehschulungen zu jeder neuen Prothesenversorgung.


Alle Arten von Beinprothesen:

  Vorfußprothesen
  Unterschenkelprothesen
  Knieexartikulationsprothesen
  Oberschenkelprothesen
  Hüftexartikulationsprothese
  Orthoprothesen

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